Die Schweiz zwischen E-ID, KI und direkter Demokratie

Vertrauen in der digitalen Verwaltung


Lesezeit:           4 Min.
Publikation:       2. April 2025, Andy Rauch


Am Swiss eGovernment Forum 2025 in Bern sprach Bundeskanzler Viktor Rossi über eines der zentralen Spannungsfelder unserer Zeit: Digitalisierung und Vertrauen. Unter dem Motto „Digitalisierung und Vertrauen – ein Widerspruch?“ stellte er die Frage, wie Staat und Gesellschaft den technologischen Wandel aktiv und vertrauenswürdig gestalten können. Dabei wurde klar: Die Digitalisierung der Verwaltung kann nur gelingen, wenn sie auf den drei Säulen TransparenzBürgernähe und Mitbestimmung beruht.


KI: Zwischen Hype und Skepsis

Ein zentrales Thema der Rede war der Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI). Während KI in vielen Bereichen der Verwaltung neue Effizienzgewinne ermöglicht, bleibt das Vertrauen in diese Technologie gering. Laut dem Vertrauensindex „Sicherheit 2024“ der ETH Zürich (Quelle: Tresch, Wenger et al) erhielt KI mit 4,6 von 10 Punkten die tiefste Bewertung aller abgefragten Institutionen. Zum Vergleich: Polizei und Wissenschaft lagen bei 7,9 Punkten.

Rossi verwies auf Beispiele aus der Populärkultur – etwa den Science-Fiction-Klassiker Dune, in dem KI zur existenziellen Bedrohung wird – und betonte, dass der Staat bewusst gegen solch dystopische Entwicklungen vorgehen müsse. Vielmehr könne KI sinnvoll eingesetzt werden, etwa in der Brückenstatik: Die ETH Zürich hat gemeinsam mit den SBB ein KI-Modell entwickelt, das erste Einschätzungen zur Tragfähigkeit liefert – letztlich aber entscheidet der Mensch. (Quelle: ETH Zürich, 2025).

Die neue E-ID als Vertrauensmodell

Ein weiteres Highlight der Rede war die neue staatliche E-ID, die als Musterbeispiel für digitale Projekte mit Vertrauen gelten kann. Die vom Volk abgelehnte erste Version scheiterte an der Einbindung privater Anbieter. Die neue Lösung setzt nun auf staatliche Vertrauensinfrastruktur und Datensouveränität der Bürgerinnen und Bürger: Nutzerinnen und Nutzer behalten die Kontrolle über ihre Daten, Unternehmen erhalten nur jene Informationen, die sie tatsächlich benötigen – etwa beim Altersnachweis beim Online-Weinkauf.

Diese Form der digitalen Identität könnte zur Grundlage eines breiteren Ökosystems für elektronische Nachweise werden – auch für Firmen, Organisationen und Gemeinden. Der Dialog zur E-ID wird aktiv geführt, unter anderem auf GitHub sowie in hybriden und analogen Partizipationsformaten.

Vom Schalter zum Smartphone

Die digitale Transformation der Verwaltung bedeutet auch: Vom physischen Amtshaus wandern viele Prozesse aufs Smartphone. Rossi unterstrich, dass digitale Angebote nicht Selbstzweck sein dürfen, sondern den Menschen und Unternehmen dienen müssen. Ein gelungenes Beispiel ist das Projekt AGOV – ein Behörden-Login, das in mehreren Kantonen bereits bei der Steuererklärung genutzt wird. Ziel ist ein einheitlicher Zugang zu allen Verwaltungsebenen.

Die Rolle der Kommunikation und Mitgestaltung

Zentral ist laut Rossi die Transparenz staatlichen Handelns – und diese spiegelt sich auch in der digitalen Welt wider. So wurden etwa 2024 über 700 Medienmitteilungen der Bundeskanzlei veröffentlicht, viele davon auch digital verfügbar gemacht. Open-Source-Software, wie sie vermehrt vom Bund eingesetzt wird, soll Vertrauen schaffen – durch offene Nachvollziehbarkeit.

Auch Mitbestimmung bleibt in der digitalen Demokratie essenziell. Projekte wie E-Collecting – ein digitaler Kanal für politische Initiativen – sollen Beteiligung vereinfachen und sicherer machen. Kantone, Gemeinden, Zivilgesellschaft und Fachkreise sind in die Pilotprojekte einbezogen.

Digitalisierung aktiv begleiten – mit dem HELP-Netzwerk

Plattformen wie www.help.ch unterstützen diese Entwicklungen, indem sie Bürgerinnen, Unternehmen und Medien aktuelle Informationen zur Digitalisierung, Gesetzesänderungen und neuen staatlichen Services bieten. Spezialisierte Portale wie www.digitaljournal.chwww.aktuellenews.ch oder www.eventkalender.ch helfen dabei, digitale Projekte sichtbar zu machen und zum Dialog einzuladen.

Fazit: Vertrauen ist die neue digitale Währung

Ob bei KI, E-ID oder digitalen Behördengängen – die digitale Verwaltung der Zukunft braucht vor allem eines: Vertrauen. Die Schweiz hat mit ihrer direkten Demokratie und einer traditionell hohen Institutionen-Vertrauensbasis gute Voraussetzungen. Nun gilt es, diesen Vertrauensvorschuss auch in der digitalen Welt zu verdienen – durch Transparenz, Bürgerorientierung und konsequente Einbindung der Gesellschaft.


«www.digitaljournal.ch»


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